Fund­stück: Chi­le­ni­scher Modell-Pinot

25. Februar 2017

Pinot Noir aus Chi­le? «Als Kate­go­rie exis­tiert das nicht in den Köp­fen von Wein­lieb­ha­bern», sagt Rod­ri­go Soto, Wein­ma­cher des Gutes Ver­a­mon­te. Soll­te es aber!

Bei einem Winemaker’s Lunch in Zürich (hier der Bericht) war der Ritu­al Pinot Noir 2015 für mich der Star des Mit­tags: wür­zig und dicht mit ras­si­ger Säu­re, einer wun­der­bar tie­fen Kirsch- und Johan­nis­beer­frucht, dis­kret ein­ge­bun­de­nem Holz, end­los viel Fri­sche und deli­ka­ten Wald­no­ten. «Im küh­len Kli­ma von Casa­blan­ca kann die­se Trau­be durch­aus gelin­gen» sagt Soto mit typisch chi­le­ni­schem Under­state­ment. «Ich wür­de unse­ren Pinot nicht mit Bur­gun­der ver­glei­chen, das wäre witz­los. Unse­re Wei­ne ähneln eher jenen aus Cen­tral Otago oder von der Sono­ma Coast.» Die Trau­ben für die Ritu­al-Linie stam­men aus den ältes­ten Reb­ber­gen des Gutes, gepflanzt im Jahr 1995 – damals hat­te die Wein­welt das Casa­blan­ca-Tal noch über­haupt nicht auf dem Radar. Man wähl­te Klo­ne der kali­for­ni­schen Uni Davis. «Sie sind zwar nicht so in Mode wie die Selek­tio­nen aus Beau­ne, aber ganz ehr­lich: Wir haben ein völ­lig ande­res Kli­ma als das Bur­gund. Was ich an den Davis-Klo­nen mag, ist ihre höhe­re Pro­duk­ti­vi­tät. Die Trau­ben sind grös­ser und schrum­peln in unse­rem war­men Kli­ma nicht ein», erklärt Soto. Über­haupt hin­ter­fragt er die Din­ge ger­ne. «Die Bedin­gun­gen in unse­ren Kel­lern sind anders als in Euro­pa - viel­leicht soll­ten dar­um auch die Fäs­ser anders sein? Für den Ritu­al Pinot Noir ver­wen­den wir bis zu fünf Jah­re alte Fäs­ser und nur 20 Pro­zent neu­es Holz. Aus­ser­dem stei­gen wir lang­sam von Bar­ri­ques auf grös­se­re Fäs­ser um. In Chi­le sind wir sehr gut dar­in zu kopie­ren, was ande­re Län­der tun. Ich fin­de, es ist Zeit, dass wir unse­ren eige­nen Weg fin­den.» Wenn das Resul­tat so geschlif­fen ist wie die­ser Wein: Anda Chi­le!

Ritu­al Pinot Noir 2015, Ver­a­mon­te, Casa­blan­ca Val­ley, Chi­le.